Technische Due Diligence für Software und Technologieunternehmen
Eine technische Due Diligence untersucht den dokumentierten technischen Zustand eines Software- oder Technologieprodukts zu einem definierten Prüfzeitpunkt. Je nach Auftrag werden Codebasis, Architektur, Repositories, Versions- und Releasehistorien, Entwicklungs- und Betriebsnachweise, Abhängigkeiten, Test- und Deploymentfähigkeit, technische Risiken sowie Daten- und KI-Komponenten untersucht. Die Prüfung beschreibt technische Tatsachen, Reife, Risiken und Aussagegrenzen; sie bestimmt weder Unternehmenswert noch Investitionserfolg.
Typische Anlässe und Ergebnis der Prüfung
- Investment, Unternehmenskauf, Beteiligung oder technische Vendor-/Buy-Side-Prüfung
- technische Second Opinion zu Architektur, Codebasis, Security oder Delivery-Fähigkeit
- Due-Diligence-Readiness vor Finanzierungsrunde oder Transaktion
Das Ergebnis ist eine technische Entscheidungsgrundlage mit dokumentierten Befunden, Risiken, Abhängigkeiten, Nachweislücken und Aussagegrenzen. Unternehmenswert, Kaufpreis, rechtliche Eigentumsverhältnisse und die Investitionsentscheidung selbst bleiben außerhalb der technischen Prüfung.
Schwerpunkte der Analyse
- Softwarearchitektur, Codebasis, Modulgrenzen, Schnittstellen und technische Reife
- Repository-, Commit-, Branch-, Tag-, Build- und Releasehistorien
- Build-, Test-, CI/CD- und Deploymentfähigkeit sowie Reproduzierbarkeit technischer Stände
- Wartbarkeit, technische Schulden, Abhängigkeiten und Schlüsselkomponenten
- Skalierungsannahmen, Performance-Risiken und technische Engpässe
- Entwicklungsprozess, technische Dokumentation, Wissenskonzentration und Übergabefähigkeit
- IT-Sicherheit und technische Schutzmaßnahmen im vereinbarten Prüfungsumfang
- Technische Erfassung von Abhängigkeiten, Lizenzhinweisen und Provenienzinformationen; eine rechtliche Bewertung von Lizenz- oder IP-Rechten ist davon getrennt
- Daten- und KI-Komponenten einschließlich Datenqualität, Modellartefakten, Robustheit und technischer Nachvollziehbarkeit, soweit auftragsrelevant
Methodischer Ansatz
Die technische Due Diligence trennt zunächst Fragestellung, Untersuchungsgegenstand, Daten- und Systemstände, Referenzkriterien, technische Befunde und fachliche Bewertung. Sie kombiniert Software-, Architektur-, Daten-, Sicherheits- und Provenienzaspekte nur soweit sie für den vereinbarten Prüfauftrag relevant und technisch belegbar sind.
Methodische Anregung: Der strukturierende Problemlösungszyklus und ausgewählte Kontrollfragen orientieren sich an Nicolai Andler, Tools für Projektmanagement, Workshops und Consulting – Kompendium der wichtigsten Techniken und Methoden, 6., überarbeitete und erweiterte Auflage, Publicis, Erlangen, 2015, ISBN 978-3-89578-453-8. Diagnose, Zielformulierung, Analyse und Entscheidungsfindung werden für die technische Prüfung adaptiert. Die Fragen werden nicht als eigene Erfindung dargestellt und nicht als vollständiger Fragenkatalog reproduziert.
- Diagnose: Prüfgegenstand, Systemstände, verfügbare Evidenz, Risiken und offene Widersprüche bestimmen.
- Zielformulierung: technische Prüffragen, Kriterien, Ausschlüsse und Definition of Done festlegen.
- Analyse: Architektur, Code, Daten, Abhängigkeiten, Entwicklungs- und Betriebsnachweise sowie plausible Alternativerklärungen untersuchen.
- Sachverständige Synthese: Befunde, Gegenhypothesen, Unsicherheiten und technische Risiken nachvollziehbar zusammenführen.
Vom Transaktionskontext zur technischen Risikoeinordnung
Die allgemeine Entscheidungsfindung des Problemlösungszyklus wird dabei nicht mit der Investitionsentscheidung gleichgesetzt. Das Gutachten liefert eine technische Entscheidungsgrundlage; Investitions-, Vertrags- und Rechtsentscheidungen verbleiben bei den jeweils zuständigen Personen und Beratern. Quellen und Methodik dokumentiert diese Abgrenzung.
Eine technische Due Diligence macht den untersuchten technischen Zustand, nachvollziehbare Risiken, Potenziale und Aussagegrenzen sichtbar. Sie ist eine technische Entscheidungsgrundlage und keine Garantie für den wirtschaftlichen Erfolg oder eine rechtliche Freigabe.
Typische Anwendungsfälle
- Technische Prüfung vor Finanzierungsrunden, Beteiligungen oder Technologiepartnerschaften
- Software Due Diligence im Rahmen vorbereitender M&A- oder Beteiligungsprozesse
- Technische Bestandsaufnahme vor Übernahme eines Produkts, Teams oder Entwicklungsprojekts
- Bewertung von Produkt-, Plattform- und KI-Reife aus technischer Sicht
- Prüfung von Übergabefähigkeit, Wissenskonzentration und technischen Schlüsselabhängigkeiten
- Technische Zweitmeinung zu bereits vorhandenen Prüfberichten oder Risikolisten
- Rekonstruktion des tatsächlichen Entwicklungs-, Build- und Releasezustands vor einer Entscheidung
Technische Aussagegrenze
Ziel ist eine methodisch nachvollziehbare, evidenzbasierte technische Entscheidungsgrundlage. Das Gutachten ordnet belegbare technische Stärken, Schwächen, Risiken, Abhängigkeiten, Unsicherheiten und offene Punkte ein. Es ersetzt weder eine Unternehmensbewertung noch eine rechtliche, steuerliche oder finanzielle Due Diligence und spricht keine Investitions- oder Transaktionsempfehlung aus.
Fallstudie: Methodischer Ablauf einer Technischen Due Diligence & Startup-Bewertung
Strukturierte technische Bewertung von Software, Systemarchitektur und Entwicklungsreife in Anlehnung an Nicolai Andlers Problemlösungsphasen
Konstruiertes Prüfszenario: Diese Darstellung beschreibt kein reales Mandat und keine tatsächliche gerichtliche Beauftragung; sie enthält keine realen Ergebnisse.
1. Diagnose – Technologische Ausgangslage und Zielsystemanalyse
2. Zielformulierung – Bewertungsrahmen und Prüfkriterien definieren
- Softwarequalität, Architekturdesign und technische Skalierbarkeit,
- Teamorganisation, Entwicklungsprozesse und Dokumentationsstand,
- Cybersecurity, IT-Governance und Compliance,
- Lizenzmodelle, technische Abhängigkeiten und die hierzu vorhandene Dokumentationslage,
- Reifegrad von KI- oder Data-Science-Komponenten (Nachvollziehbarkeit, Fairness, Bias).
3. Analyse – Technische, organisatorische und risikoorientierte Bewertung
- Technische Analyse: Quellcode-Bewertung, Architektur-Review, Prüfung auf Skalierbarkeit und technische Schulden.
- Organisatorische Analyse: Evaluierung der Teamstruktur, Entwicklungsprozesse und Kommunikationsflüsse.
- Risikobewertung: Identifikation von Abhängigkeiten, technischen Engpässen und Sicherheitsrisiken.
- Due-Diligence-Spezifika: Analyse technischer Lizenz- und Abhängigkeitsstrukturen, der Dokumentationslage zu IP-Fragen sowie der technisch dokumentierten Umsetzung regulatorischer Anforderungen.
4. Sachverständige Synthese – Bewertung, Risiken und Handlungsempfehlungen
- eine klare Bewertung der technologischen Substanz,
- eine Risikoeinschätzung für Investoren und Stakeholder,
- eine Analyse der Wachstums- und Skalierungspotenziale,
- und konkrete Handlungsempfehlungen zur Stärkung technischer Stabilität und Governance.
Nicolai Andler: Tools für Projektmanagement, Workshops und Consulting – Kompendium der wichtigsten Techniken und Methoden, 6. überarbeitete und erweiterte Auflage, Publicis, Erlangen, 2015, ISBN 978-3-89578-453-8. Die sachverständige Synthese und die Beispiele sind eigene fachliche Adaptionen. Quellen und Methodik.
Beispiel für ein Gutachtenangebot
- Analyse von Softwarearchitektur, Codebasis, Repositories und technischer Dokumentation
- Rekonstruktion relevanter Build-, Test-, Release- und Deploymentstände
- Technische Bewertung von Entwicklungsprozess, Abhängigkeiten, Wartbarkeit und Übergabefähigkeit
- Technische Erfassung von Sicherheits-, Provenienz- und Lizenzhinweisen im vereinbarten Prüfungsumfang
- Bewertung auftragsrelevanter KI- oder datengetriebener Komponenten
- Bericht mit Befunden, technischen Risiken, Priorisierung, Gegenhypothesen und Aussagegrenzen
Orientierung nach Untersuchungstiefe:
- Klar abgegrenzte technische Prüfung oder Stellungnahme: ca. 1.500 € bis 4.500 € netto
- Umfangreichere technische Begutachtung: ca. 4.500 € bis 10.000 € netto
- Komplexes IT-Gutachten mit umfangreicher technischer Untersuchung: ca. 10.000 € bis 20.000 € netto oder darüber
Maßgeblich sind insbesondere die konkrete Fragestellung, Projekt- und Systemgröße, Anzahl und Zustand der zu untersuchenden Artefakte, Qualität der verfügbaren Unterlagen sowie die erforderliche Untersuchungstiefe und Berichtsdokumentation.
Nach einer ersten Sichtung der Fragestellung und der verfügbaren Unterlagen kann ein individuelles und unverbindliches Angebot erstellt werden. Je nach Untersuchungsgegenstand kann insbesondere ein Festpreis oder eine andere geeignete Vergütungsstruktur vereinbart werden.
Hinweis: Die genannten Größenordnungen dienen ausschließlich der ersten Orientierung und stellen kein verbindliches Angebot dar. Der konkrete Aufwand kann im Einzelfall auch außerhalb dieser Bereiche liegen.
Kontakt zum IT-Sachverständigen Mathias Ellmann
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Kontakt aufnehmenHäufige Fragen zur technischen Due Diligence
Was ist eine technische Due Diligence?
Sie ist eine strukturierte Prüfung der technologischen Substanz eines Startups oder Unternehmens – einschließlich Softwarearchitektur, Codequalität, IT-Sicherheit und Skalierbarkeit.
Was ist der Unterschied zwischen einer IT Due Diligence und einer Software Due Diligence?
Eine IT Due Diligence bewertet Infrastruktur, Prozesse und Systeme, während eine Software Due Diligence den Fokus auf Codequalität, Architektur und Entwicklungsreife legt – oft kombiniert in einem Gesamtgutachten.
Wann ist eine technische Due Diligence sinnvoll?
Vor Investitionen, Übernahmen oder bei der Bewertung von Technologiepartnerschaften. Sie reduziert Risiken und erhöht die Transparenz für Investoren und Gründer.
Wer führt eine technische Due Diligence durch?
Sie wird von unabhängigen IT-Sachverständigen oder technischen Prüfern durchgeführt, die Erfahrung in Softwareentwicklung, IT-Governance und Compliance besitzen.
Weiterführendes Wissen
Fachliche Vertiefungen zu Projektstand, Software-Provenienz, Build- und Deploymentzuständen sowie technischer Rekonstruktion.